Glutenunverträglichkeit (GU) wird häufig mit Zöliakie gleichgesetzt und synonym verwendet. Wenngleich viele Symptome und Beschwerden bei betroffenen Patienten in ähnlicher Art und Intensität auftreten, so besteht dennoch ein Unterschied zwischen beiden Krankheiten. Generell ist beiden Bezeichnungen jedoch gemein, dass Erkrankte in einer bestimmten Art unverträglich oder allergisch auf Gluten, ein Eiweiß, das in vielen Getreidesorten – unter anderem in Weizen – vorkommt, reagieren. Im Folgenden werden die Begriffe ebenfalls und aufgrund des allgemeinen Sprachgebrauchs synonym gebraucht.

Was ist Zöliakie?

Die Erkrankung wird oft auch als einheimische Sprue, Glutenunverträglichkeit, Glutensensitivität (GS), Heubner-Herter-Krankheit oder gluteninduzizerte Enteropathie bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine chronische Krankheit, die in erster Linie die Darmschleimhaut und die Darmzotten des Dünndarms betrifft. Ausgelöst werden die Beschwerden bei Patienten vom so genannten „Klebereiweiß“, das in vielen Getreidearten, wie etwa Weizen, Gerste, Hafer und Roggen, vorkommt. Die Sprue wurde in vielen Fällen vererbt und kann bis dato nicht endgültig geheilt werden, betroffene Menschen leiden also ihr ganzes Leben lang unter der Einschränkung. In vielen Fällen wird die Unverträglichkeit erst nach vielen Jahren diagnostiziert.

Die genauen Ursachen dieses Leidens sind noch unbekannt. Allerdings kennen die Medizin und die Ernährungswissenschaft eine Reihe von sehr guten Möglichkeiten, um die Symptome erheblich zu reduzieren oder sogar ganz verschwinden zu lassen. Alle diese Maßnahmen lassen sich dabei unter einer strengen Diät zusammenfassen, bei der die Erkrankten ihre Essgewohnheiten umstellen und nur glutenfreie Nahrungsmittel zu sich nehmen dürfen. Glutenhaltige Lebensmittel sind streng verboten, selbst wenn nur Spuren darin vorhanden sind. Diese Art der Nahrungsaufnahme ist in der Regel deutlich gesünder als ein normales Essverhalten und trägt deutlich dazu bei, dass die Erkrankten nahezu beschwerdefrei weiterleben können.

In bis zu 10 % aller Fälle wird die Zöliakie dabei im Zusammenhang mit Diabetes mellitus, Typ 1, diagnostiziert. Auch in diesem Zusammenhang spielt eine eine strenge Kontrolle der gegessenen Lebensmittel eine wichtige Rolle.

Bei dieser Störung greift das Klebeeiweiß aus verschiedenen Getreidearten die Schleimhaut im Dünndarm an und verursacht dort eine Entzündung derer. In vielen der Fälle werden dabei die Ephitelzellen des Dünndararms der Erkrankten zerstört. Infolgedessen können andere Nährstoffe nicht mehr aufgenommen werden und bleiben unverdaut zurück. Die Anzeichen, die bei dieser Unverträglichkeit erscheinen, können von unterschiedlich starker Intensität und je nach Erkranktem in unterschiedlicher Form auftreten. Sie reichen von Durchfall und Erbrechen über Depression bis hin zu einer verlangsamten körperlichen Entwicklung im Kindesalter. Darüber hinaus kann eine unbehandelte Erkankung Lymphknoten-Krebs sowie Krebsgeschwüre im Darm begünstigen, bzw. verursachen.

Was ist Gluten?

Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Leim“. Aufgrund dieses Begriffs lässt sich bereits die Bedeutung des Stoffes erahnen, der auch als Klebereiweiß bezeichnet wird und insbesondere für die Teigbildung und das Backverhalten im Bäckereihandwerk essentiell ist. Bei diesem Proteingemisch handelt es sich jedoch nicht nur um einen einzigen Stoff, sondern um ein Stoffgemisch aus Eiweißen, das bei vielen Menschen für starke Probleme sorgen kann, wenn sie entsprechende Nahrungsmittel zu sich nehmen.

Das Gluten kommt im Samen von einigen Getreidearten vor. Das Stoffgemisch ist dafür verantwortlich, dass Mehl in Verbindung mit Wasser einen Teig bildet – und überhaupt erst eine solche Verbindung entstehen kann. Nicht nur für die Teigbildung sondern auch die Backeigenschaften des Teigs ist das Gluten verantwortlich.

Leiden Menschen jedoch an einer Gluten-Unverträglichkeit, so kann der Stoff dazu führen, dass der Darm sich chronisch entzündet. Um den Alltag der Erkrankten angenehmer und frei von Beschwerden zu gestalten, ist ein umfangreiches Wissen über Gluten erforderlich, um entsprechende Nahrungsmittel einkaufen zu können und die Verhaltensweise bezüglich des Essens auf diese umzustellen.

Gluten tritt in erster Linie in Brot und ähnlichem Gebäck auf, hier sorgt es dafür, dass ein Backen in Laibform überhaupt erst ermöglicht wird. Zudem tritt der Stoff auch in Bier und allen Produkten auf, in denen beispielsweise Getreidespuren enthalten sind. In besonders hoher Konzentration tritt das Porteingemisch in Seitan auf, dieser Fleischersatz besteht zu einem großen Prozent-Satz aus Weizen und wird von vielen Vegetariern und Veganern als Bestandteil ihrer Ernährung genutzt.

Getreide mit hohem Anteil an Gluten

  • Weizen/Hartweizen
  • Dinkel
  • Kamut
  • Emmer
  • Einkorn

(Glutenhaltige) Getreidearten mit niedrigem Glutenanteil

  • Hafer
  • Gerste

Glutenfreie Getreide/Pseudogetreide – geeignet bei Glutenunverträglichkeit

  • Hirse
  • Mais
  • Reis
  • Quinoa
  • Amarant
  • Buchweizen

Symptome

Symptome der Glutensensitivität treten bei Erkrankten oft bereits im frühen Kindesalter auf, wenn Produkte, die aus verschiedenen Getreidearten hergestellt werden, zu sich genommen werden. Die meisten der Leiden beziehen sich dabei sowohl im Kindes- als auch im Erwachsenenalter auf den Verdauungstrakt sowie eine Gewichtsreduktion oder eine nicht ausreichende Zunahme an Gewicht bei Kindern. Kinder leiden dabei meist unter chronischem, starkem und übelriechendem Durchfall und erbrechen sich häufig. Zudem werden diese Erscheinungen begleitet von Appetitlosigkeit, Missmutigkeit, einem „Blähbauch“ und einem verminderten Wachstum.

Tritt das Syndrom erst im jugendlichen – oder Erwachsenenalter auf, so äußern sich die Anzeichen darauf oft nur sehr leicht, dafür aber nicht selten anhaltend. So zählen andauernde Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Nervosität, Zahnschäden, trockene Haut und Blutarmut zu den Anzeichen, die neben einer Empfindlichkeit des Darm, Durchfall und Erbrechen auftreten – und auf eine Glutensensitivität schließen lassen können.

Da die Zöliakie verschiedene Arten des Auftretens und der Ausprägung kennt, können je nach Erkranktem auch verschiedene andere Merkmale auf die Krankheit hindeuten, dazu zählen unter anderem:

  • Verstopfung
  • Verzögerte Pubertät
  • Geringer Kalkgehalt in den Knochen
  • Eisenmangelanämie
  • Entzündungen der Gelenke,
  • Infekte der Atemwege
  • Defekter Zahnschmelz
  • Depression
  • Konzentrationsstörungen

Zudem kann es bei Frauen in Verbindung mit einer solchen Störung zu Unfruchtbarkeit oder Frühgeburten kommen.
Tritt die Zöliakie in Form einer Autoimmunerkrankung auf, so wird sie in 5 bis 10 Prozent der Fälle von Diabetes mellitus, Typ 1, begleitet. Auch Hautausschlag mit starkem Juckreiz kann zu den Begleiterscheinungen der Unverträglichkeit zählen.

Wird keine rechtzeitige Diagnose gestellt und bleibt die Zöliakie unbehandelt, so kann durch die Aufnahme des Kleibeeiweiß und eine falsche Ernährung die Bildung von Lymphknotenkrebs oder Krebsgeschwüren begünstigt werden.

Diagnose

Generell geht die Diagnostik davon aus, dass heute ca. 1 Prozent der Gesellschaft an der Krankheit Zöliakie leidet – somit wird sie bereits zu den Volkskrankheiten gezählt. Die Diagnostik kennt dabei unterschiedliche Vorgehensweisen zum Ermitteln der Krankheit. Allen Diagnosen geht dabei immer eine Anamnese, also eine Erhebung der Vorgeschichte der Erkrankten sowie dem Auftreten der Symptome voran. Dazu kann es beispielsweise auch zählen, dass die Erkrankten ein Tagebuch führen, in dem sie festhalten, welche Nahrungsmittel sie zu sich genommen haben und wie ihr Ess- und Trinkverhalten sich generell gestaltet.

Die meisten Verfahren der Diagnostik bedienen sich dabei dem Nachweis von Autoantikörpern im Blut, die durch verschiedene Tests ermittelt werden können. Dabei spricht man von den Verfahren des sereologischen Nachweises. Zu den Autoantikörpern, die damit ermittelt werden sollen, zählen das Anti-Endomysium, das Anti-Tissue-Transglutaminase und die Giladin-Antikörper. Zwar kann ein erster Nachweis bei circa 90 % aller Betroffenen auf eine Zöliakie schließen lassen, der Test ist jedoch sehr aufwendig, langwierig, teuer und kann nur in Speziallaboren durchgeführt werden. Die derzeit favorisierte Methode der Diagnostik ist deshalb der Nachweis von Anti-Tissue-Transglutaminase im Blut geworden, der ebenfalls zuverlässig ist, jedoch einfacher durchgeführt werden kann. Nach dem Antikörpernachweis stellt eine Histologie den zweiten Schritt der Diagnose dar, dabei werden unter anderem eine Darmspiegelung sowie eine Biopsie des Dünndarms vorgenommen.

Abschließend kann eine Differentialdiagnose vorgenommen werden, um etwa ausschließliche (andere) Allergien auf Lebensmittel, Infektionen des Darms oder andere autoimmun Erkrankungen auszuschließen.

Generell fällt die Zöliakie gleichermaßen unter die Krankheitsbilder einer klassischen Lebensmittelallergie bei gleichzeitiger Autoimmunerkrankung.

Behandlung der Zöliakie

Die Behandlung kann bis heute nicht zu einer endgültigen Heilung, etwa durch die Gabe von Medikamenten oder eine Operation führen. Vielmehr konzentriert sie sich auf eine Umstellung des Alltags und insbesondere der Ernährung, um Leiden und Symptome der Erkrankten zu lindern. Das bedeutet: das ganze Leben lang nur noch glutenfrei essen!

Wird diese strenge Ernährung aus glutenfreien Lebensmitteln eingehalten, so kann man gut und nahezu beschwerdelos weiterleben – und das Risiko, an Langzeitfolgen oder Folgeerkrankungen zu leiden, deutlich minimieren. Um diese Diät zu ergänzen, sieht die Behandlung zudem in der Regel vor, das Mineralstoff- und Vitaminpräparate eingenommen werden sollen, um den Mangel an anderen Nährstoffen, der mit der Umstellung auf glutenfreie Nahrungsmittel einher gehen kann, auszugleichen.

Wichtigste Hilfe der Behandlung einer solchen Erkrankung ist in jedem Fall das Vermeiden einer Aufnahme von Lebensmitteln, in denen Klebeeiweiße beinhaltet sind. Damit geht ein Aneignen eines umfangreichen Wissens über Zusatzstoffe in vielen verschiedenen Nahrungsmitteln einher, denn auch in vielen Fertigprodukten sind Spuren von Getreide, etwa als Bindemittel, enthalten. Ausgehend davon muss jeder Betroffene auf eine eigene Diät eingestellt werden, deren wichtigste Bestandteile glutenfreie Produkte sind. Dazu zählen verschiedene Getreide, wie etwa Hirse, Mais und Reis, aber auch Sojabohnen, Kastanien sowie Gemüse, Salat, Kartoffeln, Obst, Fisch/Fleisch, Eier, Milch und Milchprodukte.

Zudem arbeitet die Medizinforschung derzeit an einer neuen Behandlungsmöglichkeit in Form einer Enzymesatztherapie. Dabei werden Enzyme aus beispielsweise Pilzen isoliert, um das Gluten in kleine Stücke aufbrechen zu können. In dieser Form kann der Stoff vom Körper nicht mehr als schädlich erkannt werden, somit käme es nicht mehr zu Entzündungen und anderen Anzeichen der Glutenunverträglichkeit. Sollte dieser Forschungsansatz weiter entwickelt werden – und sich als erfolgreich herausstellen können, würden die Enzyme, die diese Wirkung erreichen könnten, in Tablettenform verabreicht werden. Ob es tatsächlich zu einer solchen Therapiemethode kommen wird, scheint zwar wahrscheinlich, ist aber dennoch bislang nicht sicher.

Die richtige Diät

Die glutenfreie Ernährung ist der wichtigste Bestandteil einer Diät, die zur Linderung der Erkrankung eingeleitet wird und ein Leben lang umgesetzt und eingehalten werden muss. Dabei wird auf Lebensmittel aller Art verzichtet, die das Proteingemisch beinhalten. Dazu können herkömmliches Weizenbrot oder Roggenbrot ebenso zählen wie Bier, in dem der Stoff enthalten ist, oder auch Fertigprodukte. Die Industrie mengt diesen Fertigprodukten oft Bindemittel und Geschmacksverstärker bei, die den schädigenden Stoff enthalten und aus Getreidearten gewonnen werden.

Wichtige Bestandteile einer solchen gesunden Ernährungsform sind dabei Produkte wie Kartoffeln, Reis, Gemüse, Obst, Salate, Fleisch, Fisch, Eier sowie Milch und Milchprodukte. Nudeln hingegen sollte man nicht mehr essen, da diese wiederum den beschwerdefördernden Stoff enthalten. Als Ersatz für die herkömmlichen, bzw. häufig in Europa verwendeten Getreidesorten können Hirse, Mais, Reis, Tapioka, Buchweizen oder Quinoa während der lebenslangen Sonderernährung zum Einsatz kommen. Auch das Kochen mit Kastanien und Kochbananen hat sichals Hilfe als äußert hilfreich und geschmackvoll erwiesen.

Ebenfalls wichtig ist es, bei dieser lebenslangen Diät zu beachten, dass mit der fehlenden Zufuhr an glutenhaltigen Nahrungsmitteln auch eine Mangelerscheinung an anderen Nährstoffen einher gehen kann. Deshalb kann eine Einnahme von Präparaten, die Mineralstoffe und/oder Vitamine enthalten und die Nahrung ergänzen, gegebenenfalls unabdingbar sein. Durch eine ausgewogene und abwechslungsreiche Form der Nahrungsmittelzufuhr kann der Einnahme solcher Präparate jedoch häufig vorgebeugt werden.

Zum Wissen um die Erkrankung, das verursachende Proteingemisch, entsprechende Nahrungsmittel und den Umgang mit dieser Erkrankung zählt es auch, dass Lebensmittel die den Grenzwert von 20 mg Gluten pro kg (20ppm) nicht erreichen, in der Regel bedenkenlos zu sich genommen werden können. Alternative Nahrungsmittel können in Reformhäusern, Fachgeschäften, Bio-Frischemärkten und mittlerweile auch in herkömmlichen Supermärkten eingekauft werden. Die Einschränkung der Lebensqualität ist damit deutlich kleiner als den Gewinn, den Erkrankte in Form eines nahezu beschwerdefreien Weiterlebens damit erzielen können.

Um die Diät zu überwachen, ist es wichtig, regelmäßig einen Arzt oder Diätologen/Ernährungsberater aufzusuchen und den Ernährungsplan gegebenenfalls von Zeit zu Zeit aufzufrischen. Häufig werden dabei auch Kochkurse angeboten, in denen Erkrankte den Umgang mit alternativen Lebensmitteln lernen und viele neue Rezepte erproben können. Ein regelmäßiger Besuch beim Arzt mit Blutentnahme kann zudem dazu beitragen, den Krankheitsverlauf zu überwachen und gegebenenfalls weitere Schritte oder eine Veränderung der Behandlung einzuleiten, um neuen oder stärkeren Symptomen entgegenzuwirken.

Fazit

Die Erkrankung an Zöliakie zählt heute bereits zu den Volkskrankheiten, etwa 1 % der Gesamtbevölkerung leidet bereits an den Merkmalen, bzw. der Erkrankung selbst. Zu den häufigen Merkmalen, die im Zusammenhang mit dieser Erkrankung stehen, zählen dabei unter anderem Entzündungen des Dünndarms, Erbrechen, Übelkeit, Müdigkeit und Nervosität. Aber auch Gereiztheit, Hautausschlag in Verbindung mit starkem Juckreiz, Verstopfung, ein vermindertes Wachstum bei Kindern und viele weitere Anzeichen können auf ein Leiden unter dieser Unverträglichkeit hindeuten, die in den meisten Fällen erblich bedingt ist. Die GU, so die häufig verwendete Abkürzung – z.B. bei der Angabe von Rezepten – ist gleichermaßen eine Autoimmunerkrankung und eine spezielle Lebensmittelallergie auf ein Proteingemisch, das in viele Getreidesorten, die in Europa bevorzugt verarbeitet werden, auftritt. Eine Heilung per Se kann dabei bislang nicht erzielt werden, den Erkrankten wird jedoch empfohlen, sich ohne das Klebeeiweiß zu ernähren. Dazu zählt der Umstieg auf alternative Getreidesorte, der Verzicht auf Fertigprodukte, gegebenenfalls die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sowie unter Umständen weitere Schritt und Maßnahmen, die der Arzt und/oder der Ernährungsberater einleiten und überwachen kann.